Kekse zur Völkerverständigung

In unsere Area wohnt eine Frau, die zwei kleine Kinder hat. Eins ist so mini, dass man es fast übersieht, wenn sie es sich auf den Rücken bindet, das andere ist zwei Jahre alt und hat panische Angst vor uns Obrunis. Jedesmal wenn er uns sieht fängt er an zu schrien, heulen und krallt sich an seiner Mutter fest. Das passiert ungefähr einmal in der Woche und das seit dem ich hier bin. Gestern hab ich zum ersten Mal gesehen wo die Mutter ihren Shop hat und dort Cola gekauft. Der kleine Junge war auch im Shop und hat nicht geheult, sich nur hinter einer Cola Kiste versucht zu verstecken. Als ich ihm aber die guten deutschen Leipniz-Kekse angeboten hab, hat er sogar sein Versteck verlassen. Als seine rechte Hand voll mit Keksen war hat er sogar seine linke noch hin gehalten. Dann seine Mutter ihn erwartungsvoll angeguckt und gemeint:“und was sagt man?“ und  er kleine sagt ganz stolz „Obruni!“. Das zeigt wieder mal die Sache von der richtigen Seite, denn viel wichtiger als Danke zu sagen ist, mich daran zu erinnern, dass ich weiß, europäisch ind reich bin und dass es für mich verdammt einfach ist anderen Menschen hier zu helfen und das manchmal nur, weil ich  aufgrund meines Einzelkind-extra-treatments niemals verzichten musste. Verabschiedet hat er sich dann mit „bye bye“ und hat völlig voll gekrümelt mit beiden Händen gewunken, süß.

 

Am Freitagabend war ich mit Anne im Kino und eigentlich wollten wie „Beim Leben meiner Schwester“sehen, der schon seit einer Woche laufen sollte. Aaaaber, this is Ghana for you. Denn der Film lief noch nicht, obwohl er angeblich schon seit einer Woche laufen sollte… AHhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh, ein Kino-Mitarbeiter hat versucht mich zu beschwichtigen, keine gute Idee, wieso macht man dick Werbung für etwas was nicht existiert und warum ist das Ticket so teuer, wenn es keinen Service gibt? Das Ende vom Lied war, das er uns for free in einen Film unserer Wahl gelassen hat. Dann haben wir Pelham-blablabla gesehen, für umsosnt ok, aber bezahlt hätte ich so einen Schieß-Film nicht…

Samstagabend wollte ich dann eigentlich mal wieder E-mails schreiben, aber dann hatte irgendwer die Idee feiern zu gehen. Naja, und da mussten die E-mails halt warten. Ich bin den beiden neuen Volunters, dem Kino-mann und zwei seiner Freunde erst in einen Night-Club called „Bus Stop“ gegangen und es war ganz nett, aber nur weil ich schon voll betrunken war, weil wir uns eine Literflasche Wodka für 3€ an der Tankstelle gekauft haben, dieser wurde mit Apfelsaft, der nach den sauren Apfelringen von Haribo geschmeckt hat gemischt und so war die Stimmung verdammt schnell auf dem Höhepunkt und der Wodka, sehr schnell leer…

Als mir nach einer Stunde im Club dann gesagt wurde, dass wir im Stadtteil Nima sind, hatte ich das Bedürfnis die Veranstaltung sofort zu beenden, das es in Nima die meistens bewaffneten Überfälle in ganz Accra gibt. Also sind wir raus aus dem Club und mit dem Taxi zum nächsten, in den sind wir wieder ohne Eintritt zu bezahlen rein, weil der eine Freund vom Kino-Man Dj ist und immer Connections hatte. Der Club hat uns leider nicht gefallen und so sind wir dann in den dritten, wieder for free und der war dann großartig bis morgens um sieben, dann waren wir so müde das wir nach Hause wollten. Sonntag wurde dann nicht gemacht außer geschlafen, geduscht und gegessen.

Heute habe ich mich dann drei Stunden mit den unfähigen Menschen von Migration Office auseinander gesetzt, die leider zu dumm sind mein simple Entry-Visa in ein multiple entry-visa umzutauschen und jetzt musste ich so ein scheiß teures re-entry visum kaufen, bin pleite und genervt von der nicht funktionierenden Bürokratie, aber thank god, i’m healthy und das ist im Moment das wichtigste.

1 Kommentar 12.10.09 18:00, kommentieren

"Have a good night and take care!"

Am Samstag war ich auf meiner ersten ghanaischen Beerdigung. Beerdigungen sind hier riesige Feste und fangen Freitagmorgens bei Sonnenaufgang(4uhr) an und gehen bis Sonntagabend Sonnenuntergang. Also am Samstag morgen um 8Uhr wurde ich von einem Freund abgeholt und wir sind zusammen, in schwarzer Kleidung, zur Beerdigung gefahren, die war auf einer Wiese beim Friedhof, auf dieser standen riesige Pavillons und es waren mehr Leute da als beim Goslarer Schützenfest. Die Leute tragen bei Beerdigungen schwarz oder grelles rot, je nach Verwandschaftsgrad. Bei dieser trugen alle schwarz und die Frauen die selbst schon Kinder haben trugen weiße Kleider, mit schwarzen Mustern. Die Frau die gestorben ist, ist nämlich eine Woche nach der Geburt ihres zweiten Kindes gestorben. Und weil das Kind lebt wird weiß getragen um dies zu respektieren, keine Ahnung was da Respekt verdient, ich finde es eher bemitleidenswert, wenn das Baby keine Mutter hat. Obwohl das alles sehr traurig ist, war die Feier gar nicht traurig, es wurde wahnsinnig laute Musik gespielt und alle haben getanzt und das bei 33°C im Schatten. Gegen Mittag bin ich dann mit dem Freund, der mich eingeladen hatte und seinen Freunden zu einer Chop-Bar gefahren um etwas zu essen. Die Fahrt war jedoch nicht ganz einfach, da alle schon fleißig mit Vodka der Toten gedacht haben und fast niemand von den Freunden mehr gerade aus gehen, und schon gar nicht mehr fahren… Wir sind  auf der Feier daher umher geirrt auf der Suche nach jemandem, der nüchtern ist und haben zum Schluss auch jemanden gefunden. Dann sind wir zu zehnt und mit zwei Autos losgefahren. Da es hier alle 50m „rumple Strips ahead“, also so Huckel wie in 30er Zonen gibt, haben auf dem Weg schon zwei im anderen Auto gekotzt. An der chop-bar angekommen haben sich trotzdem alle Essen bestellt… Ich hab Kenkey und Lightsoup gegessen, und die Männer natürlich Banku und Fishsoup, deswegen hat es auch vedammt gestunken am Tisch. Auf der Beerdigung hätte es übrigens auch Essen gegeben, aber wir wollten da nicht essen aus Angst sie hätten mit Leitungswasser gekocht haben können.

Nach dem Essen wurde mit Vodka angestoßen und dann gings zurück zum Friedhof und dort wurde weiter getrunken und zwar „ein großen Bier“.. Nachmittags wurde ich dann nach Hause gefahren und bin erstmal ins Koma gefallen bis um 21Uhr dann wollten wir duschen, weil Anne und ich abends mit zwei Freunden, die auch auf der Beerdigung waren, weg wollten, Aber es gab keinen Strom, daher mussten wir alles im Dunkeln machen und geschminkt haben wir uns mit Hilfe unserer Handy Taschenlampen, da Die großen Akku-Lampen im Haus natürlich nicht geladen waren. Um 23Uhr haben wir uns dann an der Junction getroffen und sind in den Club und haben weitergetrunken, leider ohne was zum Abendbrot gegessen zu haben, Naja, was soll ich sagen, es war auch ziemlich warm und so hat der Alkohol wieder mal extrem schnell gewirkt.. Es war ein großartiger Abend und ich war noch nie in einer so vollen Disko, um 3Uhr waren so viele Menschen auf der Tanzfläche, dass der Place completely blocked war und alle zwischen den Stühlen und Tischen getanzt haben. Zu hause waren wir um halb sechs und die beiden gute erzogenen Gentlemen haben uns erst nach Hause gebracht und sind dann wieder zurück zu ihrem Haus gefahren, damit uns auch ja nichts passiert… Es hieß, ich hätte ein glückliches Händchen für unglückliche Situationen. Als wir zu Hause waren hatten wir Strom, das hieß dass ich nicht schlafen konnte, weil ich mein altes Zimmer in das am Mittag zwei neue Volunteers ziehen sollten, fegen und wischen musste, weil ich das abends nicht machen konnte weil es dunkel war.

Zum Zimmer: Ich hab jetzt kein eigenes Zimmer mehr, sondern musste zur Dame aus Ostdeutschland ins Zimmer ziehen, damit die beiden neuen zusammen in ein Zimmer können. Das bedeutet, keinen Kleiderschrank mehr auf dem Fußboden, keine Teetassen-Sammlung vorm Bett und  nicht mehr abends singend im Bett liegen und Gott dafür danken, dass ich in Europa geboren bin. Ab jetzt muss alles ordentlich und leise sein… Nicht unbedingt meine Stärke. Nachdem alles gesäubert war und hab ich geduscht und hab mich auf dem Weg zu einem Bekannten gemacht mit dem ich in die Kirche wollte, dort angekommen war ich allerdings so fertig, dass während ich wartete, dass er seine Schuhe anhat, auf dem Sofa eingeschlafen bin. Dann durfte ich nicht mit in die Kirche, weil ich angeblich zu müde war, haha, Hannibals Soldaten haben auch nur Sekundenschlaf gehabt, bevor sie die Alpen überquert haben, wenn er mich gelassen hätte, hätte ich sicherlich noch was großes reißen können. Aber so bin ich zurück nach Hause und hab in „UNSEREM“ Zimmer geschlafen. Bis Abends, dann waren wir mit den Neuen teuer Pizza essen und danach früh ins Bettchen und schlafen.

1 Kommentar 5.10.09 23:52, kommentieren

hugernde Orangenfrau

Gestern war ich mit einer Freundin in einer Libanesischen Bar. Wir haben draußen gesessen und Cola getrunken und uns unterhalten und alles war toll. Die Bar ist wirklich schön, man sitzt auf Holzstühlen(sonst ist das bevorzugte Material hier PLASTIK) und um einen herum ist alles nett bepflanzt. Wir saßen also dort auf der Terrasse und haben viel Spaß gehabt. Ich musste leider den Abend versauen, indem ich mir ein Mädchen beobachtet, die ungefähr unser Alter hatte und eine Platte mit Orangen auf dem Kopf  trug zum Hawken. Sie schlenderte erst  zwischen den Autos hin und her und hockte sich dann zwischen die Autos um zu pullern, Was bedeutet, dass sie nicht mal 5 Pesoes (2 Cent) hat um für das Unrinal, was man an jeder Ecke hat, zu bezahlen. Dann ist sie weiter um die Terrasse der Bar rumgelaufen, wohl in der Hoffnung, dass jemand doch noch Orangen kauft. Ich meinte „Ohhhhh, die Arme.“ Und die anderen haben es wieder mal belächelt und gesagt, ich könnte ja mal weder beten und Gott um Rat fragen. Sehr witzig. Ich hab sie dann gefragt ob, sie hungrig ist und sie hat gesagt „Yes, Madam.“ Sehr selten, dass man hier so respektvoll angesprochen wird, normalerweise wird man nicht eher wie ein Tier angesprochen, also vorzugsweise Imperativ: „Setzen“, „komm her“. Ok, die arme sah so dünn aus und hatte diesen verdammte Metall-Teller auf dem Kopf, der allein schon so viel wiegt, dass ich ihn nicht schmerzfrei auf dem Kopf tragen kann, das ich ihr mein Brot mit Hähnchenfilet und Salat gegeben hatte, was ich kurz vorher bestellt hatte. Die arme hat angefangen zu heulen und die blöden Kellner haben rumgemeckert, weil ich ihren verdammten Plastikteller über den Zaun gereicht hab. Toll ich hätte die Hawkerin auch fragen können ob sie am Tisch essen will, hätte mit Sicherheit mehr Probleme gegeben als Teller rüberreichen. Gut, das arme Orangenmädchen war satt und nach dem Essen wieder am Heulen und ich war soooooo hungrig. Hätte ich mir gar nicht vorstellen können, dass ich hier mal hungrig ins Bett muss. Danach sind wir dann in eine Milch-Shake-Bar und haben uns was für den Weg zur Junction mitgenommen. Meiner war mit Banane, Mango und versch. Beeren und verdammt lecker. Als dann wir dann die Straße zur Juction runter watscheln. Kommt ein Mann und erzählt mir, warum immer ich, dass er nicht um Geld betteln will, aber er hat den ganzen Tag noch nichts gegessen und dann hat er erzählt, dass er Zeitungen verkaufen will, aber dafür muss er sich erst registrieren lassen und das kostet 10Cedi. Deswegen muss er jetzt abends auf der Straße Armbänder an Touristen verkaufen. Ich hab ihm meinen Milch-Shake gegeben und er hat mich als god-fearing woman bezeichnet, was die Kohlköpfe an meiner Seite wieder zum Lachen gebracht hat, warum sind solche Leute in Afrika??? Danach sind wir nach Hause gefahren und ich konnte nicht besonders gut einschlafen, weil ich Hunger hatte und weil es ganz schön schrecklich ist, wenn man anfangen muss zu weinen, weil jemand sein Essen mit einem teilt.

Heute habe ich das erste Mal im Kindergarten des Kinderheims gearbeitet, weil meine liebe Aatsua, Herbert und Joy ab jetzt in die jüngste Gruppe des KG gehen und ich die kleinen Putzis gerne weiterhin sehen würde. Ob ich das allerdings verkrafte bezweifle ich. In der Nursery hatte man zwar viele Fäkalien um sich, aber keine Gewalt, Heute hab ich gesehen, wie die olle Auntie, die Kleinen die nach dem Essen nicht auf der Bambusmatte liegen bleiben wollten um zu schlafen mit dem Rohrstock verprügelt hat. Wie kann man ein 2,5 Jahre altes Kind schlagen? Und dann noch mit dem Rohrstock? Als ich meinte sie soll das lassen und den Kleinen in Ruhe sagen was sie tun sollen, meinte sie sie könnte mir auch gleich eins mit dem Rohrstock überziehen… Vielen Dank, dass in Europa Gewalt nicht immer die Lösung für alle Probleme ist.

Vorhin bin ich dann mit Anne durch die halbe Hauptstadt gereist um einen Burger zu essen und der hat echt nur dürftig geschmeckt, aber das war uns egal wir sind so fed up with Fufu und Rice, dass ich den Burger wahrscheinlich sogar mit Gammelfleisch und schimmligem Brötchen gegessen hätte.

Jetzt geht’s duschen und dann ins Bett. Morgen ist Waschag…

1 Kommentar 25.9.09 03:05, kommentieren

yes, Bourma. Ach nee Bormann

Jemand aus Ghana rief Doreen an und meinte ein Paket von einem Mann aus Holland wäre für mich angekommne, ich könnte es abholen. Aha, ich kenne nur keinen Mann in Holland. Als ich ihn anrief meinte er, er hätte mein Portemonnaie gefunden mit meiner „voluntary worker“- ID, Kopie von meinem Pass und Fotos. Ich könnte mir das Portemonnaie morgen abholen, in Lapaz. Lapaz ist das Armenviertel. Heute morgen scrieb mir dann jemand von einer Niederländischen Nr. in, wie Martin sagt: „turbobeschissenem“ Deutsch, dass ein „Online-Paket“ für mihc angekommen ist, und ich könnte es wie gestern vereinbart abholen. Ich hatte keine Vereinbarung bezüglich eines „Online-Pakets“. Weil mir das ganze ein wenig suspekt erschien hab ich Bismark angerufen, damit ich nicht alleine gehen muss. Als wir in Lapaz auf dem Markt waren und den Typen mit der Ghana-Nr.anriefen, meinte er er sei gleich da. Ok, dann ist Bismark erstmal gleich hinter einem Marktstand in Deckung gegangen, weil er meinte wäre interessanter wie die sich verhalten, wenn sie sehen, dass ich allein bin. Ok, dann kamen zwei Typen auf mich zu, haben mir nch der Begrüßung mein geliebtes Eastpak-Portemonnaie zurück gegeben und mich mit Fragen gelöchert, aber da war Bismark schon wieder an meiner Seite und hat das Gespräch beendet und wir sind geflüchtet, war er im Gegensat zu mir nämlich gesehen hat war, dass die mind. zu viert waren, einer noch im Auto und ein anderer am Handy, der den beiden meine Position beschrieben hat. An dieser Stelle vielen Dank an meine europäische Naivität, wenn ich alleine gewesen wäre hätte ich den beiden schön viel erzählt, denn sie wirkten wirklich nett und ich hab im Gegensatz zu Bismark nicht erkennen können das die beiden ihren Akzent verstellten. Naja, wieder mal alles gut gegangen. Hat wohl seinen Grund warum ich hier nicht nur vorm Essen bete…

Der Waran, ach von dem hab ich noch nichts geschrieben: Als ich vor einer Woche meine Wäsche aufhängen wollte, hatte ich meine erste Begegnnung mit einem Waran. Vorher hab ich immer nur kleine Lizzards gesehen, mit denen kam ich klar, die sind sogar recht hübsch anzusehen, wie sie sich sonnen. Aber der Waran, uaaaaahhhh, da musste ich gleich an meine liebe Inga denken, die mir erzählt hat, dass Komodo-Warane Kinder fressen. Und so ließ ich in voller Panik, die frisch gewaschene Wäsche fallen und rannte ins Haus, dort fiel mir dann ein, dass ich gar kein Kind bin und er mich daher wahrscheinlich nicht auffressen kann… Egal, Angst hab ich jetzt trotzdem. Jedenfalls hat diese kinderfressende, über einen Meter lange Bestie gestern Nacht ein Huhn gefressen. Wenn es wenigstens der dämliche Hahn gewesen wäre, aber nein, eins von den friedlichen, fleißigen Hühnlein. Jetzt wird gleich wieder kräftig mit dem ollen Holzkochlöffel rumgepatscht, ich mach mir Eierkuchen mit Äpfeln;-)

1 Kommentar 21.9.09 18:12, kommentieren

Die Ziege ist tot

Gestern Mittag habe ich einen Freund besucht, vor dessen Haus vor gewöhnlich zwei Ziegen friedlich grasen. Gestern war nur noch eine da. Als ich fragte wo die andere ist, sagte die Mutter im Kochtopf. Arme kleine Ziege. Dann waren wir im Garten und haben der Oma beim Kasava stampfen zugeguckt. Kurz darauf gab es Essen. Yam mit Palava-Sauce. Palava wird aus Spinat, Tomaten und Knoblauch gemacht, lecker. Als ich dann unter meinem Berg Palava ein Riesenstück Fleisch sah, war ich mir plötzlich nicht mehr ganz sicher, dass es Chicken ist, wovon ich vorher fest ausgegangen bin, weil es eigentlich immer Chicken gibt. Gut, dass was da aber den ganzen Boden meiner Holzschüssel bedeckte, war wohl kein Huhn. Die Oma hat dann bevor ich fragen konnte gesagt, dass es die Ziege ist. Ohhhhhh, nach einigen Gedenkminuten für das arme Tier, hab ich mich dann entschlossen das Stück zu essen. Zuerst erst aus Höflichkeit, weil ich befürchtete das meine Gastgeber nicht besonders begeistert sein werden, wenn ich ihr Essen ablehne und dann hab ich es gegessen, weil es einfach großartig geschmeckt hat. Jetzt könnte ich jeden Tag Yam mit Palava und Goat essen, nicht gut für die Zieglein, aber das schmeckt sooooooo großartig. Nach dem Festmahl hab ich mich dann mit Anne getroffen und wir sind in die Mall gefahren und haben im Kino „Obsessed“ geguckt. Kino ist wirklich was tolles und das Popcorn war super, 1,25€ für eine Tüte, die so groß ist, dass man sie nicht alleine schafft und es war warm, süß und ohne alte Körner. Nach dem Film waenr wir dann im Shoprite und haben Pumpernickel gekauft. Endlich was Vernünftiges zum Frühstück, der Preis war allerdings utopisch. Als wir dann von der Mall zur Junction gelaufen sind, wurden wir von den Sinti&Roma-Kindern belagert, die „arbeiten“ dort an der Junction und verdienen den Lebensunterhalt der Familie mit betteln. Zwei von denen waren echt putzig und haben mir einiges erzählt, eigentlich sogar sehr viel nur leider nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Twi… Mit den beiden hab ich eine ganze Zeit rumgealbert, dann kamen noch andere dazu und plötzlich umgab mich eine ganze Scharr von Kindern, alle ziemlich klug. Als ich dann mit Anne im Auto saß bemerkte ich wie klug: mein Portemonnaie  war weg, mit umgerechnet 125€ drin. Super. Ich hoffe die Kinder nutzen das Geld sinnvoll. Eigentlich ist es überhaupt nicht witzig, wenn einem so viel Geld geklaut wird, aber wie Tine sagt: „Das nächste Mal ist man wachsamer.“ Und das hoffe ich, denn im Nachhinein war mein Verhalten mehr als naiv, die Szene erinnert nämlich sehr stark an den „Herr der Diebe“, nur dass es nicht Venedig sondern Accra war.

1 Kommentar 21.9.09 17:16, kommentieren

Violence all over the place

Gestern sind Doreen und ich nach Madina auf den Markt gefahren um Stoff zu kaufen. Bevor den Markt erreicht muss man zuerst jedes Mal eine halbe Stunde auf der Straße zum Markt im Stau stehen, denn auf der Straße versperren Händler und Hawker den Weg, sodass es lange dauert bis man durchkommt. Diesmal war jedoch alles noch lauter als sonst, also kein geschäftiges Treiben, sondern ohrenbetäubender Lärm. Der Grund dafür war die Exekutive, im Unterschied zu Deutschland ist die hier wirklich „ausführend“, aber leider auch gewalttätig. Die Polizei lief mit Vorschlaghammern am Straßenrand lang und zertrümmerte alles was dort nach Verkaufsmöglichkeit aussah, manche Händler haben wohl auch was abbekommen, denn es gab verdammt viel Blut auf dem Boden und es gab auch wieder mal ein wenig von der afrikanischen Illiteracy zu sehen, ein Mann der vor uns im Tro-Tro saß meinte: Schade, diesmal kommen wir zu spät, das große Gemetzel ist schon vorbei und die Leichen haben sie auch schon beseitigt“ Super, wie schön wenn man Gewalt, Armut und Leid als Entertainment nutzen kann. Als wir das Chaos dann passiert hatten waren auf dem Markt eigentlich zu viele Leute um sich frei bewegen zu können und eigentlich wurde man nur hin und her geschubst, weil irgendwer auf der Flucht war und schnell vorbei musste oder irgendwer seine Wunde mitten auf dem Weg verbinden musste. Stoff gleich am ersten Stand gekauft und dann wieder zurück zur Junction und mit dem Tro-Tro nach Hause. Zu Hause wurde dann gekocht, Spaghetti mit Tomaten

-ketchup;-) für mehr hat die Kraft nicht mehr gereicht. Denn den Apfelkuchen, den ich Mittags gemacht hatte konnte man ja leider aufgrund meiner Gasofen-Versiertheit nicht essen…, der Kuchen jedenfalls, besser das Zubereiten eines Rührteiges mit KOCHLÖFFEL hatte so viel Kraft benötigt, dass keine mehr zum Kochen übrig war.

 Was noch sehr interessant war, als ich Doreen heute vom Amoklauf in Bayern erzählt hab meinte „Schrecklich, so was gibt es hier gar nicht. Es sei denn man kommt aus Nigeria und findet Vergewaltigen gut, aber sonst tötet in Ghana niemand sinnlos.“ Naja, wahrscheinlich nur, weil ein Großteil der Bevölkerung so arm ist, dass er alle Energie zum Überleben benötigt und man keine Zeit für Aggressionen gibt. Wie gut es allerdings ist, wenn man kleine Dinge noch zu schätzen weiß hab ich an der Junction gesehen. Wir standen dort und warteten auf ein Tro-Tro in unsere Richtung, Doreen machte sich auf um Plantanes zu kaufen und drei kleine Kinder standen da und haben gebettelt. Ich hab ihnen 30Pesoes gegeben, davon haben die kleinen sich ein Eis gekauft. Eis kauft man hier übrigens in Tüten, ein bisschen so wie Milchtüten in Deutschland. Das Eis schmeckt auch wie gefrorener Joghurt mit Wassereiskonsistenz, also ganz lecker. Jedenfalls haben die drei abwechselnd an der aufgebissenen Tüte rum gelutscht und nachdem sie zwei Drittel gegessen hatten, sind sie zurück gekommen und wollten ihr Eis mit mir teilen. Großartig, dass hier jeder das Bisschen was er hat mit anderen teilen will. Als ich letzte Woche nachts aus dem Police-Hospital dem Pförtner beim Rausgehen „Guten Appetit“ gewünscht habe, meinte er gleich „You’re invited!“ Ich glaube in Deutschland würde man sein Essen nicht teilen, wenn fest steht, dass man dann selbst weiterhin Hunger hat und würde man sein Eis mit fremden Menschen teilen?

18.9.09 19:02, kommentieren

Krankenhaus

In den letzten zwei Wochen war ich genau sechsmal im Krankenhaus, genauer gesagt in drei verschiedenen… Es fing an einem Freitagabend an mit Schwäche, ich war so schwach und müde, dass ich eine wahnsinnig interessante Internet-Recherche in der Uni abbrechen musste, weil ich fast vom Stuhl gekippt bin vor Müdigkeit. Gut zu Hause angekommen wurde geschlafen, 12 Stunden bis Samstagmorgen, da bin ich aufgewacht und hab Atemnot und Herzrasen gehabt, was vermutlich bei den meisten Menschen Panik auslösen würde, ich war allerdings zu schwach um mich aufzuregen… Habe dann Doreen angerufen, diese war jedoch schon mit der anderen Voluntärin aufgebrochen zu samstäglichen Exkursion.Scheiße, also Rebecca und Lino angerufen, die meinte “Überhaupt kein Problem, wir holen dich sofort ab!“ Super, they kept me waiting for more than three hours und dann die Entschuldigung: TRAFFIC, sorry da war keiner als ich aus dem Haus kam… Dann sind wir wegen des Verkehrs hier in Haatso in eine Klinik, die  sich „Modern Atomic Clinic“ nennt gefahren, aber das war nicht modern, das war Afrika pur. Als wir in die Klinik kamen und den Arzt sehen wollten meinte die Krankenschwester, achso die Klinik war so groß wie eine deutsche Tankstelle, der Arzt ist heute nicht da. AHA, super Klinik ohne Arzt… Also wir wieder raus und setzen uns ins Auto um zur nächsten Klinik zu fahren, das sehen wir dass das Labor zur Straße ist, mit einer chicen Schiebetür, ganz wie bei Edeka. Gut, klingt schäbig, but this Ghana und da sind Schiebetüren echt was Besonderes. Also durch die Schiebetür und mit dem Labormenschen geredet, dass es mir schlecht geht und wir eine Bluttest machen wollen und er sagt er machts für 22Cedi, also 11€, ganz schön teuer für Afrika. Dann gings ans Blutabnehmen  und AUUUUUUUUUUUUUAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA er war nicht besonders versiert, nach 4 Versuchen, zweimal in der linken Armbeuge, einmal am linken Handrücken, hat er dann endlich in der rechten Armbeuge Blut gefunden, huuuhhh. Aber ich habs überlebt. Das Testergebnis war: kein Typhus, sehr überraschend, denn dagegen bin ich nämlich geimpft… Aber dafür Malaria. Wollte ich nicht so recht glauben, knall mir schließlich diese schreckliche Prophylaxe rein, deswegen gleichmal ins nächste Hospital. Nicht erst versucht mit einem Arzt zu sprechen, sondern gleich ins Labor. Der Typ der und da beraten hat war sehr witzig, hat nämlich während der 5-Minütigen Beratung 6kg Erdnüsse gefuttert und wir haben ihn s ziemlich gar nicht verstanden. Naja egal, auch dieser Herr hat wieder einige Versuche gebraucht bis das Blut lief und als es lief leider nicht aus der Nadel in ein Behältnis sondern auf den Boden, weil er keins zur Hand hatte… Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich mir besser selbst Blutabnehmen kann als die „Labormänner“, dann das Ergebnis kein Malaria zu sehen, ich soll nach Hause mich ausruhen. Toll mit Herzrasen, mittlerweile schmerzhaft Atemnot und fremdverschuldetem Blutmangel kann man ja auch nicht viel mehr machen… Also nach Hause und geschlafen bis Montag, am Montag hat Bismark dann seine Vorlesung sausen lassen um mit mir ins Krankenhaus zu fahren, denn die bevorzugte Sprache in Krankenhäusern ist Twi, also hatte ich jemanden an meiner Seite der nicht nur Translator sondern auch Mutmacher war, ich hatte nämlich plötzlich ganz schön Angst dass mir wieder jemand Blut klaut. Dann zum ersten Mal eine Afrikanische Arztbehandlung genossen, die fängt auf dem Flur in der „Wartehalle“ an, dort wird Fieber und Blutdruck gemessen, wäre ich nicht so krank gewesen hätte ich gelacht über den völligen Verlust der Privatsphäre. Es ist übrigens auch ganz normal sich hier im Laden der Schneiderin auszuziehen um Kleider anzuprobieren. Der Arzt hat jedenfalls gesagt, dass es Malaria sei kann und das sie noch im Anfangsstadium ist und deshalb ein Bluttest positiv, der andere negativ. Dann hat er mir seine  Handynr gegeben und gesagt, dass ich ihn jederzeit anrufen kann und wenn es mitten in der Nacht ist, egal, wenn ich Hilfe brauche soll ich anrufen. Geil, das hätte in Deutschland wohl kein Arzt gemacht, dann in der Apotheke das Malariamedikament gekauft für 3Cedi, also 1,5€, und ab nach Hause ins Bettchen. Vorher hatte ich natürlich schon die erste  Tablette eingeworfen. Die Nacht war grausam ich hatte schreckliche Alpträume und wenn ich wach war hatte ich strange Halluzinationen, aber zum Glück hatte ich Bismark und den Arzt, die ich nachts anrufen konnten um zu sagen, dass ein riesiger Igel unter meinem Bett liegt, der nicht nur meine Matratze, sondern auch meine Wirbelsäule auffressen wird, und beide haben mir versichert ich bin sicher und ich konnte es glauben und weiterschlafen. Im Police-Hospital war ich jedenfalls noch ein paar Mal wegen Herzschmerzen und der Arzt hat entschieden es wäre besser kein Lariam mehr zu nehmen, denn das ist eine Nebenwirkung von der Prophylaxe und Malaria hab ich ja trotzdem gekriegt. Dieses Donnerstag bin ich dann morgens um sieben aufgewacht und achte ich muss sterben, denn ich hab mich im 10minutentakt übergeben und es war gelb-grün, und auch wenn ich Wasser getrunken hab kam das gleich wieder raus schrecklich, ich war glaube ich noch nie so krank. Aber ich war in guten Händen, denn meine Betreuerin, hat sofort ein Taxi gerufen und wir sind ins Krankenhaus der deutschen Embassy gefahren, weil es mir so schlecht ging, dass das mit dem Englischsprechen nicht mehr wirklich geklappt hat. Dort hab ich eine Infusion gekriegt und nach einem Bluttest eine ganze Tasche voll Medikamente, allerdings hatte das alles auch einen deutschen Preis, von dem man sich fast einen Jetta kaufen kann… Aber gut es geht mir langsam besser und ich hoffe, es wird noch viel besser im Moment hab ich nämlich echt Angst was zu essen und zu trinken. Was super ist, ist dass es heute endlich wieder Strom und daher auch Internet gibt, denn es war soooooo langweilig. OHHH liebes Germany wie ich die sichere Strom- und Wasserversorgung vermisse… Am 20. Dezember werde ich Duschen und zwar den ganzen Tag und heiß!!!Und ich hoffe es gibt Käse und Vollkornbrot, denn zur Zeit, also vor der Lebensmittelvergiftung, gab’s fast jeden Tag Milchbrötchen mit Fleischsalat zum Frühstück, was einige deutsche Mädchen sicherlich köstlich finden, aber ich find’s grausam. So und nun wird telefoniert, bis der Strom wieder weg ist.

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