Krankenhaus

In den letzten zwei Wochen war ich genau sechsmal im Krankenhaus, genauer gesagt in drei verschiedenen… Es fing an einem Freitagabend an mit Schwäche, ich war so schwach und müde, dass ich eine wahnsinnig interessante Internet-Recherche in der Uni abbrechen musste, weil ich fast vom Stuhl gekippt bin vor Müdigkeit. Gut zu Hause angekommen wurde geschlafen, 12 Stunden bis Samstagmorgen, da bin ich aufgewacht und hab Atemnot und Herzrasen gehabt, was vermutlich bei den meisten Menschen Panik auslösen würde, ich war allerdings zu schwach um mich aufzuregen… Habe dann Doreen angerufen, diese war jedoch schon mit der anderen Voluntärin aufgebrochen zu samstäglichen Exkursion.Scheiße, also Rebecca und Lino angerufen, die meinte “Überhaupt kein Problem, wir holen dich sofort ab!“ Super, they kept me waiting for more than three hours und dann die Entschuldigung: TRAFFIC, sorry da war keiner als ich aus dem Haus kam… Dann sind wir wegen des Verkehrs hier in Haatso in eine Klinik, die  sich „Modern Atomic Clinic“ nennt gefahren, aber das war nicht modern, das war Afrika pur. Als wir in die Klinik kamen und den Arzt sehen wollten meinte die Krankenschwester, achso die Klinik war so groß wie eine deutsche Tankstelle, der Arzt ist heute nicht da. AHA, super Klinik ohne Arzt… Also wir wieder raus und setzen uns ins Auto um zur nächsten Klinik zu fahren, das sehen wir dass das Labor zur Straße ist, mit einer chicen Schiebetür, ganz wie bei Edeka. Gut, klingt schäbig, but this Ghana und da sind Schiebetüren echt was Besonderes. Also durch die Schiebetür und mit dem Labormenschen geredet, dass es mir schlecht geht und wir eine Bluttest machen wollen und er sagt er machts für 22Cedi, also 11€, ganz schön teuer für Afrika. Dann gings ans Blutabnehmen  und AUUUUUUUUUUUUUAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA er war nicht besonders versiert, nach 4 Versuchen, zweimal in der linken Armbeuge, einmal am linken Handrücken, hat er dann endlich in der rechten Armbeuge Blut gefunden, huuuhhh. Aber ich habs überlebt. Das Testergebnis war: kein Typhus, sehr überraschend, denn dagegen bin ich nämlich geimpft… Aber dafür Malaria. Wollte ich nicht so recht glauben, knall mir schließlich diese schreckliche Prophylaxe rein, deswegen gleichmal ins nächste Hospital. Nicht erst versucht mit einem Arzt zu sprechen, sondern gleich ins Labor. Der Typ der und da beraten hat war sehr witzig, hat nämlich während der 5-Minütigen Beratung 6kg Erdnüsse gefuttert und wir haben ihn s ziemlich gar nicht verstanden. Naja egal, auch dieser Herr hat wieder einige Versuche gebraucht bis das Blut lief und als es lief leider nicht aus der Nadel in ein Behältnis sondern auf den Boden, weil er keins zur Hand hatte… Ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich mir besser selbst Blutabnehmen kann als die „Labormänner“, dann das Ergebnis kein Malaria zu sehen, ich soll nach Hause mich ausruhen. Toll mit Herzrasen, mittlerweile schmerzhaft Atemnot und fremdverschuldetem Blutmangel kann man ja auch nicht viel mehr machen… Also nach Hause und geschlafen bis Montag, am Montag hat Bismark dann seine Vorlesung sausen lassen um mit mir ins Krankenhaus zu fahren, denn die bevorzugte Sprache in Krankenhäusern ist Twi, also hatte ich jemanden an meiner Seite der nicht nur Translator sondern auch Mutmacher war, ich hatte nämlich plötzlich ganz schön Angst dass mir wieder jemand Blut klaut. Dann zum ersten Mal eine Afrikanische Arztbehandlung genossen, die fängt auf dem Flur in der „Wartehalle“ an, dort wird Fieber und Blutdruck gemessen, wäre ich nicht so krank gewesen hätte ich gelacht über den völligen Verlust der Privatsphäre. Es ist übrigens auch ganz normal sich hier im Laden der Schneiderin auszuziehen um Kleider anzuprobieren. Der Arzt hat jedenfalls gesagt, dass es Malaria sei kann und das sie noch im Anfangsstadium ist und deshalb ein Bluttest positiv, der andere negativ. Dann hat er mir seine  Handynr gegeben und gesagt, dass ich ihn jederzeit anrufen kann und wenn es mitten in der Nacht ist, egal, wenn ich Hilfe brauche soll ich anrufen. Geil, das hätte in Deutschland wohl kein Arzt gemacht, dann in der Apotheke das Malariamedikament gekauft für 3Cedi, also 1,5€, und ab nach Hause ins Bettchen. Vorher hatte ich natürlich schon die erste  Tablette eingeworfen. Die Nacht war grausam ich hatte schreckliche Alpträume und wenn ich wach war hatte ich strange Halluzinationen, aber zum Glück hatte ich Bismark und den Arzt, die ich nachts anrufen konnten um zu sagen, dass ein riesiger Igel unter meinem Bett liegt, der nicht nur meine Matratze, sondern auch meine Wirbelsäule auffressen wird, und beide haben mir versichert ich bin sicher und ich konnte es glauben und weiterschlafen. Im Police-Hospital war ich jedenfalls noch ein paar Mal wegen Herzschmerzen und der Arzt hat entschieden es wäre besser kein Lariam mehr zu nehmen, denn das ist eine Nebenwirkung von der Prophylaxe und Malaria hab ich ja trotzdem gekriegt. Dieses Donnerstag bin ich dann morgens um sieben aufgewacht und achte ich muss sterben, denn ich hab mich im 10minutentakt übergeben und es war gelb-grün, und auch wenn ich Wasser getrunken hab kam das gleich wieder raus schrecklich, ich war glaube ich noch nie so krank. Aber ich war in guten Händen, denn meine Betreuerin, hat sofort ein Taxi gerufen und wir sind ins Krankenhaus der deutschen Embassy gefahren, weil es mir so schlecht ging, dass das mit dem Englischsprechen nicht mehr wirklich geklappt hat. Dort hab ich eine Infusion gekriegt und nach einem Bluttest eine ganze Tasche voll Medikamente, allerdings hatte das alles auch einen deutschen Preis, von dem man sich fast einen Jetta kaufen kann… Aber gut es geht mir langsam besser und ich hoffe, es wird noch viel besser im Moment hab ich nämlich echt Angst was zu essen und zu trinken. Was super ist, ist dass es heute endlich wieder Strom und daher auch Internet gibt, denn es war soooooo langweilig. OHHH liebes Germany wie ich die sichere Strom- und Wasserversorgung vermisse… Am 20. Dezember werde ich Duschen und zwar den ganzen Tag und heiß!!!Und ich hoffe es gibt Käse und Vollkornbrot, denn zur Zeit, also vor der Lebensmittelvergiftung, gab’s fast jeden Tag Milchbrötchen mit Fleischsalat zum Frühstück, was einige deutsche Mädchen sicherlich köstlich finden, aber ich find’s grausam. So und nun wird telefoniert, bis der Strom wieder weg ist.

12.9.09 22:40

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(13.9.09 00:19)
Alles was mir dazu einfällt. Oha!!! Respekt vor deiner Stärke das alles so durchzustehen und gute Besserung.

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