Violence all over the place

Gestern sind Doreen und ich nach Madina auf den Markt gefahren um Stoff zu kaufen. Bevor den Markt erreicht muss man zuerst jedes Mal eine halbe Stunde auf der Straße zum Markt im Stau stehen, denn auf der Straße versperren Händler und Hawker den Weg, sodass es lange dauert bis man durchkommt. Diesmal war jedoch alles noch lauter als sonst, also kein geschäftiges Treiben, sondern ohrenbetäubender Lärm. Der Grund dafür war die Exekutive, im Unterschied zu Deutschland ist die hier wirklich „ausführend“, aber leider auch gewalttätig. Die Polizei lief mit Vorschlaghammern am Straßenrand lang und zertrümmerte alles was dort nach Verkaufsmöglichkeit aussah, manche Händler haben wohl auch was abbekommen, denn es gab verdammt viel Blut auf dem Boden und es gab auch wieder mal ein wenig von der afrikanischen Illiteracy zu sehen, ein Mann der vor uns im Tro-Tro saß meinte: Schade, diesmal kommen wir zu spät, das große Gemetzel ist schon vorbei und die Leichen haben sie auch schon beseitigt“ Super, wie schön wenn man Gewalt, Armut und Leid als Entertainment nutzen kann. Als wir das Chaos dann passiert hatten waren auf dem Markt eigentlich zu viele Leute um sich frei bewegen zu können und eigentlich wurde man nur hin und her geschubst, weil irgendwer auf der Flucht war und schnell vorbei musste oder irgendwer seine Wunde mitten auf dem Weg verbinden musste. Stoff gleich am ersten Stand gekauft und dann wieder zurück zur Junction und mit dem Tro-Tro nach Hause. Zu Hause wurde dann gekocht, Spaghetti mit Tomaten

-ketchup;-) für mehr hat die Kraft nicht mehr gereicht. Denn den Apfelkuchen, den ich Mittags gemacht hatte konnte man ja leider aufgrund meiner Gasofen-Versiertheit nicht essen…, der Kuchen jedenfalls, besser das Zubereiten eines Rührteiges mit KOCHLÖFFEL hatte so viel Kraft benötigt, dass keine mehr zum Kochen übrig war.

 Was noch sehr interessant war, als ich Doreen heute vom Amoklauf in Bayern erzählt hab meinte „Schrecklich, so was gibt es hier gar nicht. Es sei denn man kommt aus Nigeria und findet Vergewaltigen gut, aber sonst tötet in Ghana niemand sinnlos.“ Naja, wahrscheinlich nur, weil ein Großteil der Bevölkerung so arm ist, dass er alle Energie zum Überleben benötigt und man keine Zeit für Aggressionen gibt. Wie gut es allerdings ist, wenn man kleine Dinge noch zu schätzen weiß hab ich an der Junction gesehen. Wir standen dort und warteten auf ein Tro-Tro in unsere Richtung, Doreen machte sich auf um Plantanes zu kaufen und drei kleine Kinder standen da und haben gebettelt. Ich hab ihnen 30Pesoes gegeben, davon haben die kleinen sich ein Eis gekauft. Eis kauft man hier übrigens in Tüten, ein bisschen so wie Milchtüten in Deutschland. Das Eis schmeckt auch wie gefrorener Joghurt mit Wassereiskonsistenz, also ganz lecker. Jedenfalls haben die drei abwechselnd an der aufgebissenen Tüte rum gelutscht und nachdem sie zwei Drittel gegessen hatten, sind sie zurück gekommen und wollten ihr Eis mit mir teilen. Großartig, dass hier jeder das Bisschen was er hat mit anderen teilen will. Als ich letzte Woche nachts aus dem Police-Hospital dem Pförtner beim Rausgehen „Guten Appetit“ gewünscht habe, meinte er gleich „You’re invited!“ Ich glaube in Deutschland würde man sein Essen nicht teilen, wenn fest steht, dass man dann selbst weiterhin Hunger hat und würde man sein Eis mit fremden Menschen teilen?

18.9.09 19:02

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